Editorial der Ausgabe 3/20 | Frank Augustin

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Editorial der Ausgabe CORONA & DIE ZOMBIEWIRTSCHAFT

Text: Frank Augustin

Irgendwie kommt es mir vor, als ob wir bei agora42 immer schon Zombiestudien betrieben hätten – widmeten wir uns doch einem System, das zombiehaft fortexistiert hat, obwohl es seit dem ökonomischen Kollaps von 2007/08 eigentlich tot war. Seitdem haben wir es nicht bloß mit einer Finanz-, Wirtschafts- und Staatskrise, sondern mit einer Sinnkrise zu tun, die alle Bereiche unseres Lebens betrifft.

Und Corona? Bedeutet die Pandemie etwas Neues? Wohl kaum. Sie hat den Niedergang nur beschleunigt, bringt die zombifizierte Wirtschaft schneller zu Fall, forciert den gesamtgesellschaftlichen Sinnverlust. Dieser Niedergang wird sicherlich noch die nächsten zehn, 15 Jahre bestimmend sein. Vielleicht gibt es Phasen der Stabilisierung, aber über kurz oder lang wird die Wirtschaftskrise voll durchschlagen. Gelingt es nach diesem zweiten Schock immer noch nicht, sich von der alten Normalität zu verabschieden und entschlossen ins Neue zu gehen, ist eine dritte Phase des Niedergangs angesagt. Vorstellen will man sich das lieber nicht.

Selbst wenn man in manchen gesellschaftlichen Bereichen positive Tendenzen beobachtet (Aber wo? Im Automobilsektor? In der Finanzindustrie? Im Gesundheitswesen? Die Tierhaltung, Artenvielfalt, Abholzung oder Müllbelastung betreffend? Im Bildungsbereich? Im Hinblick auf gelingende internationale Beziehungen?), sollte man zumindest vorbereitet sein. Sprich: Wir müssen dafür sorgen, dass alle Menschen künftig genug Nahrung und sauberes Wasser haben. Das wird angesichts katastrophaler ökologischer und ökonomischer Zustände nicht so einfach sein, wie es jetzt klingt. Was noch? Kostenloses Wohnen (da Lohnarbeit immer knapper wird), flächendeckende psychologische Hilfe für die Übergangszeit und eine unentgeltliche medizinische Grundversorgung. Wichtig: Die gesamte Krisenvorsorge und -bewältigung muss europäisch koordiniert werden.

Die Menschen sind noch nicht so weit? Sie werden es bald sein. Denn Gewohnheiten kann man nicht essen.

Porträt: Frank Augustin
Frank Augustin hat Philosophie und Geschichte studiert, dann für das Journal für Philosophie der blaue reiter gearbeitet und ist seit 2009 für agora42 | Das philosophische Wirtschaftsmagazin tätig.

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