Die Politik – maßgebend oder maßlos?

Die Politik – maßgebend oder maßlos?

von Wolfram Bernhardt

Politik steht für die Regelung von Angelegenheiten, die das Gemeinwesen betreffen. Aber woran kann man die Qualität von Politik bemessen? Hierür spielt das Thema Gerechtigkeit eine zentrale Rolle – oder vielmehr: sollte eine zentrale Rolle spielen. Schließlich steht Gerechtigkeit dafür, dass die Bedürfnisse aller berücksichtigt werden und man einen ausgewogenen Kompromiss im Blick hat. Aber was ist gerecht? Was nicht? Welches Verständnis von Gerechtigkeit legt man zugrunde? Und ab wann fängt Ungleichheit an, unmenschlich zu sein? Die Politik – maßgebend oder maßlos? weiterlesen

„Im Herzen bin ich Anarchist“ – Reinhold Messner im Interview

„Im Herzen bin ich Anarchist“

Im Gespräch mit Reinhold Messner über gesellschaftlichen Wandel

Foto: Wolfram Bernhardt

 

Herr Messner, wie definieren Sie Freiheit?

Für mich persönlich ist Freiheit die Möglichkeit, mich nach meinen Vorstellungen entfalten zu können. Aber ich möchte gleich ergänzen: nur in dem Maße, wie ich dabei die Entfaltung der anderen nicht störe. Ich bin im Herzen ein Anarchist, das sage ich ganz offen, und zwar in der klassischen Definition des Anarchismus: keine Macht für niemand! Niemand soll mich von oben herab regieren, genauso wenig wie ich jemanden von oben herab dirigieren will. Wenn ich diesen Freiraum habe, heißt das natürlich auch, dass ich voll verantwortlich bin für mein Tun.

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Nachhaltige Wirtschaft braucht die Finanzwende

Nachhaltige Wirtschaft braucht die Finanzwende

Interview mit Gerhard Schick

Sie haben sich aus der Politik verabschiedet, weil Sie der Meinung sind, dass eine grundlegende Reform im Finanzwesen derzeit nur erzielt werden kann, wenn die Zivilgesellschaft den Druck auf die parlamentarische Politik erhöht. Ist das eine Kapitulation des Politikers Gerhard Schick?

Gerhard Schick war von 2005 bis 2018 Mitglied des Deutschen Bundestages. Seit Juli 2018 ist er Vorstand der „Bürgerbewegung Finanzwende“, die sich für eine nachhaltige Finanzwirtschaft einsetzt.

Nein, ich war und bin begeisterter Parlamentarier und der Schritt ist mir nicht leicht gefallen. Doch die kommende Aufgabe ist wichtiger: ein zivilgesellschaftliches Gegengewicht zur Finanzbranche aufzubauen. Die Sorge, dass sich der Finanzsektor zu sehr von seiner eigentlich dienenden Funktion für die Gesellschaft verabschiedet hat, durchzieht alle Schichten und politische Richtungen. Das gehen wir jetzt an und sammeln interessierte Bürgerinnen und Bürger, Wissenschaftler und Finanzmarktexperten unter dem Dach der Finanzwende. Das erfordert meine ganze Kraft und geht nicht vom Parlament aus. Nachhaltige Wirtschaft braucht die Finanzwende weiterlesen

Wir leben in einer Umbruchszeit – Interview mit Walter Otto Ötsch

Es wächst das Bewusstsein einer multiplen Krise

Interview mit Walter Otto Ötsch

Herr Ötsch, wie erleben Sie die Zeit? Gibt es noch klare Orientierung?

Walter Otto Ötsch
Walter Otto Ötsch ist Ökonom und Kulturhistoriker und seit Oktober 2015 Professor für Ökonomie und Kulturgeschichte am Institut für Ökonomie der Cusanus Hochschule in Bernkastel-Kues. walteroetsch.at

Vieles, was früher als selbstverständlich gegolten hat, steht heute zur Disposition. Wir leben in einer Umbruchszeit, langsam wächst das Bewusstsein einer multiplen Krise. Alle großen Systeme weisen strukturelle Bruchstellen auf und werden zunehmend kritisch betrachtet oder gar in Frage gestellt: das Wirtschaftssystem spätestens seit der „Großen Krise“ ab 2008, die Parteiendemokratie spätestens seit dem Wahlsieg von Donald Trump 2016 oder der Sozialstaat spätestens seit der in Europa akzeptierten Austeritätspolitik ab 2010.Im Hintergrund steht die Angst vor einer  ökologischen Katastrophe, energische Schritte, um z.B. die Klimaerwärmung auf 2 Grad zu begrenzen, sind nicht in Sicht.

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Leserbrief: Die Zukunft ist offen

Foto: Jaromír Kavan | Unsplash

 

Leserbrief: Die Zukunft ist offen

Mich beschäftigt das Thema „Krise“ , „Gesellschaftlicher Wandel“ und „Umbruch“ seit einigen Jahrzehnten und ich habe in dieser Zeit viel gelesen, selbst geschrieben und mit verschiedenen Menschen gesprochen. Das wir uns in einer sehr weitgehenden Krise befinden, ist vielen Vordenkern bereits seit Ende des 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts bekannt. Auch wenn nicht immer die angemessene Deutung stattgefunden hat, waren es doch hellsichtige Menschen, die gesehen und/oder gespürt haben, dass etwas Neues am Entstehen ist. Leserbrief: Die Zukunft ist offen weiterlesen

Finanz & Eleganz: Au contraire – oder Warum manchmal viel dafür spricht, dagegen zu sein

Au contraire – oder Warum manchmal viel dafür spricht, dagegen zu sein

Dieser erste Post im neuen Jahr will sich tapfer der Welle von positivem Denken entgegenstemmen, die bis zur Mitte des Monats Januar alles überrollt. Wieder ein neues Jahr, in dem wir alles besser machen – mit Optimismus, Freude und Vertrauen alle Ängste überwinden, das Gute noch im Schlechtesten gesehen wird und jedes Glas mindestens halbvoll ist.  Und warum auch nicht? Was schadet es, mit einer positiven Grundhaltung und fröhlichem Schwung an die zahlreichen Projekte heranzutreten, die sich auf dem Schreibtisch und sonstwo melden?

Dennoch wollen wir uns heute einmal mit Miesmachern, Pessimisten und notorischen Querulanten beschäftigen, vor allem im Bereich der Finanzmärkte. Und von diesen suchen wir uns eine kleine feine Gruppe heraus, die man „Contrarians“ nennt. Diese Leute machen alles anders, sie kaufen Aktien wenn andere verkaufen, sie sehen in die Ecken, die schlecht ausgeleuchtet sind und einem folgen sie gewiss nicht: dem Herdentrieb. Finanz & Eleganz: Au contraire – oder Warum manchmal viel dafür spricht, dagegen zu sein weiterlesen

Die Wirtschaft – unendliches Wachstum? Ein Essay von Frank Augustin

Die Wirtschaft – unendliches Wachstum?

Text: Frank Augustin

Wir schreiben das Jahr 2018. Seit zehn Jahren wird das Raumschiff Erde von einer Krise heimgesucht; eine Krise, die als Banken- und Finanzkrise begonnen hatte und sich dann von der Ökonomie auf Ökologie, Soziales und Politik übertragen hat. Lebenswichtige Systeme drohen auszufallen. Doch die Crew setzt weiterhin auf Wirtschaftswachstum.
Erscheint Ihnen dies nicht auch sonderbar und sogar verantwortungslos? Sind die negativen Auswirkungen des Wirtschaftswachstums nicht unübersehbar? Nicht nur, dass dadurch die Umwelt ruiniert und für Klimachaos gesorgt wird, sondern es entzieht sich auch – dynamisch, wie es eben ist – letztlich jedem Versuch, es gesellschaftlichen Belangen unterzuordnen (also beispielsweise für eine gerechtere Verteilung zu sorgen etc.). Die Wirtschaft – unendliches Wachstum? Ein Essay von Frank Augustin weiterlesen

Bilder verändern die Welt – Interview mit Julia Leeb

Bilder verändern die Welt

Interview mit Julia Leeb

Frau Leeb, wir alle kennen die Bilder hungernder Kinder in Afrika, oder der Vögel, die durch Ölkatastrophen zugrunde gehen. Und doch ändert sich nichts. Was für Bilder braucht es, damit wir doch unser Verhalten ändern?

Julia Leeb ist Journalistin, Fotografin und Filmemacherin mit dem Fokus auf der Produktion von Virtual Reality Inhalten. Mehr Infos unter: Julialeeb.com

In der überwältigenden Bilderflut gibt es immer wieder Bilder die unser kollektives Gedächtnis geprägt haben; Bilder, die eine Epoche markieren; Bilder, die einen Wendepunkt im menschlichen Bewusstsein hervorrufen. Ich denke an das nackte Napalm-Mädchen in Vietnam: ein Bild, das das Ende des Krieges einläutete. Bilder wirken länger als Lektüre im Bewusstsein nach. Meine Bilder zum Beispiel wurden archiviert und an den Internationalen Strafgerichtshof weitergegeben. Ein Bild, das das Potenzial hat einen Diktator hinter Gitter zu bringen. Bilder verändern die Welt – Interview mit Julia Leeb weiterlesen

„Politisch sind viele, sich dessen bewusst nur wenige“

Interview mit den HipHop-Künstlern von Zweierpasch

„Politisch sind viele, sich dessen bewusst nur wenige“

Oft wird der Jugend vorgeworfen, dass sie desinteressiert an gesellschaftlichen Belangen sind. Bei euren Musikprojekten arbeitet ihr eng mit Jugendlichen aus Deutschland und Frankreich zusammen. Was ist euer Eindruck? Wie politisch ist die Generation Smartphone?

Foto: Urbanactpictures Till und Felix Neumann, HipHop-Künstler bei Zweierpasch, 35 Jahre. Till wohnt in Freiburg und ist zudem Journalist. Felix arbeitet neben Zweierpasch als Projektreferent in Kehl. Mehr zu Zweierpasch unter: zweierpasch.com

FELIX NEUMANN: Wir kriegen einen ganz guten Gesamteindruck in unserer Arbeit, treffen verschiedene Bildungsschichten und Alter, haben zwei Länder im Vergleich und machen zum Teil auch konkret politisch-partizipative Projekte, zum Beispiel rund um Wahlen. Die Sogwirkung digitaler Medien, die Geschwindigkeit unserer Zeit und das Orientieren an ambivalenten Idolen prägen die junge Generation. Politisch sind viele, sich dessen bewusst nur wenige. Dabei posten sie in Sozialen Medien, schreiben Raptexte und finden Sachen cool oder fake. Allein zu Geflüchteten, der AfD, ihren Bildungschancen, Macron oder Gelbwesten haben die meisten eine Meinung. Von Politik und Partizipation fühlen sie sich aber oft weit weg. Dazu braucht es Zugänge, Übersetzung und Komplexitätsreduktion. „Politisch sind viele, sich dessen bewusst nur wenige“ weiterlesen

„Gott, Welt, Seele – und Kapitalismus“ von Birger P. Priddat

Gott, Welt, Seele – und Kapitalismus

von Birger P. Priddat

Mit der Aufklärung ist die Ökonomie von einer „beseelten“ zur seelenlosen geworden. Die in der alten, christlichen Welt vorherrschende Spiritualität, also die Vorstellung einer geistigen Verbindung zu einer höheren, göttlichen Ordnung, löste sich auf. Die Hoffnung, im Himmel entschädigt zu werden für ein mehr oder weniger armseliges Leben, wurde eingetauscht für die Option, im Leben selbst Erlösung zu erreichen: Unbegrenztes Wachstum und eine stetige Steigerung des Lebensstandards sollten das Paradies aus dem Himmel auf die Erde holen. Nun aber ist auch dieser Glaube verloren gegangen …
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