„Gott, Welt, Seele – und Kapitalismus“ von Birger P. Priddat

Gott, Welt, Seele – und Kapitalismus

von Birger P. Priddat

Mit der Aufklärung ist die Ökonomie von einer „beseelten“ zur seelenlosen geworden. Die in der alten, christlichen Welt vorherrschende Spiritualität, also die Vorstellung einer geistigen Verbindung zu einer höheren, göttlichen Ordnung, löste sich auf. Die Hoffnung, im Himmel entschädigt zu werden für ein mehr oder weniger armseliges Leben, wurde eingetauscht für die Option, im Leben selbst Erlösung zu erreichen: Unbegrenztes Wachstum und eine stetige Steigerung des Lebensstandards sollten das Paradies aus dem Himmel auf die Erde holen. Nun aber ist auch dieser Glaube verloren gegangen …
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Philosophie sorgt für Orientierung und macht deshalb handlungsfähig

Philosophie sorgt für Orientierung und macht deshalb handlungsfähig

von Frank Augustin

 

Vernunft und Gefühl, sind das die beiden Pole menschlicher Existenz? Und wenn ja, ist es dann so, dass nun, nach einigen mehr oder minder vernünftigen Jahrzehnten, das Pendel Richtung Unvernunft, Richtung Dominanz des Emotionalen ausschlägt? Dass eine Zeit begonnen hat, die durch Politiker wie Donald Trump, durch immer riskantere Geschäfte in der Wirtschaft sowie durch einen egoistischen und hedonistischen Lebensstil gekennzeichnet ist? Das hängt – und jetzt wird’s philosophisch – davon ab, inwieweit man bereit ist, die sogenannte Normalität infrage zu stellen. Philosophie sorgt für Orientierung und macht deshalb handlungsfähig weiterlesen

Das Irrationale ermöglicht einen Perspektivenwechsel

„Das Irrationale ermöglicht einen Perspektivenwechsel“

Interview mit Aga Trnka-Kwiecinski

 

Frau Trnka-Kwiecinski, die Bildungslandschaft wird heutzutage immer mehr zu einem Ausbildungsbetrieb. Warum ist es nach wie vor wichtig, Bildung gegenüber der Ausbildung zu stärken?

AGA TRNKA-KWIECINSKI ist Lehrgangsleiterin für das Masterstudium Provokationspädagogik und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Donau-Universität Krems.
 

Das Paradox ist, dass Bildungseinrichtungen einem ökonomischen Denken unterworfen sind, das unsere gesamte Gesellschaft durchzogen hat. Nicht das Lernen als (überaus sinnliches – im Verständnis von „mit allen Sinnen“ zu erfahrendes) Erlebnis steht im Vordergrund, sondern das messbare Ergebnis, das zum Gradmesser des Erfolges wird. Absurderweise sowohl für die Lernenden als auch für die Lehrenden. Aber: Intelligenz ist auch so viel mehr, als das Ergebnis eines standardisierten Tests, auf den man sich letztlich immer besser vorbereiten kann, und wo lediglich ein Segment abgefragt wird, wonach Rückschlüsse auf die Intelligenz eines Menschen gezogen werden. Dabei ist es viel interessanter, sich anzusehen, was durch solche Tests NICHT abgedeckt wird. Das Irrationale ermöglicht einen Perspektivenwechsel weiterlesen

Die Arbeitsmärkte waren in Deutschland noch nie in einem so schlechten Zustand

Die Arbeitsmärkte waren in Deutschland noch nie in einem so schlechten Zustand

Der Ökonom Heinz-Josef Bontrup über geschönte Arbeitslosenzahlen, die Folgen der Digitalisierung und ein bedingungsloses Grundeinkommen

Herr Bontrup, „Es läuft – Deutschland nähert sich der Vollbeschäftigung“ textete die Frankfurter Allgemeine noch im Juni 2018. Und Sie werden seit Jahren nicht müde, von Massenarbeitslosigkeit zu sprechen. Können Sie diesen Widerspruch aufklären?

Prof. Dr. rer. pol. Heinz-J. Bontrup
Copyright © Ulrich Zillmann

Heinz-Josef Bontrup: Nur Demagogen und Populisten reden von einer fast erreichten Vollbeschäftigung. Mit der Realität, hat das leider nichts zu tun. Wir haben weiter Massenarbeitslosigkeit im Land und ich gehe noch weiter: Die Arbeitsmärkte waren in Deutschland, zählt man das gesamte Prekariat der Teilzeit- und geringfügig Beschäftigten, die befristet Beschäftigten, die Praktikantenverträge und die Leiharbeiter dazu, noch nie in einem so schlechten Zustand. Die Arbeitsmärkte waren in Deutschland noch nie in einem so schlechten Zustand weiterlesen

Der Wert der Menschenwürde. Das unabhängige Lebensgeld – Interview mit Carsten Rachow

Der Wert der Menschenwürde – Das unabhängige Lebensgeld

Interview mit Carsten Rachow

 

Von der Subprime-Krise zur Finanzkrise zur Eurokrise zur Demokratiekrise zur Klimakrise zur Selbstbild-Krise: der Grund allen Übels scheint der Mensch zu sein. Hoffnungslose meinen bereits, dass er es immer schlimmer machen wird – und wollen die gesellschaftliche Steuerung lieber der künstlichen Intelligenz überlassen. Herr Rachow, was stimmt mit unserem Welt- und Selbstbild nicht?
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EDITORIAL der Ausgabe 1/2019

EDITORIAL der neuen agora42 1/2019 Gesellschaftlicher Wandel

Alles ändert sich – und doch hält man am Vergangenen fest. Nichts ist daher dringlicher als offene Gespräche darüber, wie der gesellschaftliche Wandel gestaltet werden soll.

Hopp, hopp, hopp, drängelt schon der Nächste: weitergehen! Schau nicht zurück, blicke nach vorn! Nur was, wenn da vorn das Ende einer Sackgasse zu sehen ist? Und von hinten die anderen drängeln? Die Krise ist das Gefühl, dass es nicht mehr vor und nicht zurück geht –hektisch wird versucht, wenigstens den Status quo zu erhalten, es sich im Hier und Jetzt so gut wie möglich einzurichten. Dabei steigt das Durchschnittsalter der Topmanager und der Autokäufer, während die Nachzucht funktionierender Wirtschaftsvorstände und pflichtbewusster Konsumenten ins Stocken gerät. Die Menschen, die ihren kostspieligen Status quo überhaupt noch halten können, werden immer weniger – und älter. Verkrampft klammern sie sich an die schmale Jetzt-Scholle, die im offenen Meer der Möglichkeiten treibt, und hoffen, dass sie nicht allzu schnell schmilzt. Für die nachfolgenden Generationen ist jedoch klar: Dieses Jetzt stirbt. Bald wird alles anders sein. EDITORIAL der Ausgabe 1/2019 weiterlesen

Der Fortschritt ist kein Rennpferd, sondern eine Schnecke – Interview mit Juli Zeh

Der Fortschritt ist kein Rennpferd

im Gespräch mit Juli Zeh

Juli Zeh
Juli Zeh © Peter von Felbert

Wir sprachen mit der Schriftstellerin Juli Zeh über den Zustand der Welt, das Projekt der Aufklärung und darüber, wie das neue Selbstverständnis der Politik aussehen könnte. Juli Zeh wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet und ist auch durch ihr gesellschaftlich-politisches Engagement bekannt geworden. Im September ist ihr Buch Neujahr im Verlag Luchterhand erschienen.

Frau Zeh, mit der Aufklärung verloren Götter ihren Schrecken und man glaubte, sein Schicksal selbst in die Hand nehmen zu können. Doch wenn es um Themen wie Wachstum, Digitalisierung oder Globalisierung geht, scheinen wir uns neue Götter geschaffen zu haben, die unser Schicksal bestimmen. Bedarf es einer neuen Aufklärung? Der Fortschritt ist kein Rennpferd, sondern eine Schnecke – Interview mit Juli Zeh weiterlesen

Wer überwacht wird ist nicht frei – Interview mit Katharina Nocun

Wer überwacht wird ist nicht frei

Katharina Nocun
Katharina Nocun ist Bürgerrechtlerin, Publizistin und Ökonomin. Sie betreibt das Blog KATTASCHA, leitet Kampagnen zum Schutz der Bürgerrechte, ist Mitglied im Beirat des Whistleblower-Netzwerk e.V und Botschafterin der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen. Im April 2018 ist ihr Buch „Die Daten, die ich rief – Wie wir unsere Freiheit an Großkonzerne verkaufen“ erschienen. Foto cc-by Miriam Juschkat 

Frau Nocun, allerorten ist die Rede von der Krise. Warum lohnt es sich Ihrer Meinung dennoch jeden Morgen aufs Neue und voller Hoffnung aufzustehen?

Das ist eine gute Frage, die man sich als Datenschützer ehrlich gesagt sehr häufig stellt. „Damit es nicht noch schlimmer wird“ ist schließlich eine wenig befriedigende Antwort. Trotz der vielen Rückzugsgefechte gibt es immer wieder auch Lichtblicke. Dass es in Deutschland etwa, anders als in der USA, keinen flächendeckenden Einsatz von Wahlcomputern gibt, haben wir der digitalen Bürgerrechtsbewegung zu verdanken. Die erfolgreiche öffentlichkeitswirksame Installation von Schach-Software auf einem Wahlcomputer zwecks Demonstration der Manipulationsmöglichkeiten war hier sicher hilfreich. Solche Geschichten geben mir Hoffnung. Manchmal gewinnt eben auch in der Politik das bessere Argument obwohl die Gegenseite viel mehr Ressourcen zur Verfügung hat. Wer überwacht wird ist nicht frei – Interview mit Katharina Nocun weiterlesen

14 Thesen zur Digitalisierung – von Felix Sühlmann-Faul

14 Thesen zur Digitalisierung

Von Felix Sühlmann-Faul

Unter Digitalisierung wird – je nach Kontext – immer etwas anderes gemeint und verstanden. Unzählige Aspekte, Folgen, Veränderungen und Möglichkeiten des digitalen Wandels werden bedacht. Trotzdem bleiben blinde Flecken, die bislang in Diskussionen gemieden werden.

Diese blinden Flecken der Digitalisierung sichtbar zu machen und etwas Ordnung in das allgemeine Wirrwarr höchster Erwartungen und schlimmster Befürchtungen zu schaffen, war das Anliegen des Techniksoziologen Felix Sühlmann-Faul mit seinem Buch Der blinde Fleck der Digitalisierung, das im September erschienen ist. Da zudem das Thema Nachhaltigkeit viel zu häufig übersehen wird, widmet er sich, gemeinsam mit dem Koautor Stephan Rammler, der Frage: Wie lassen sich Nachhaltigkeit und digitale Transformation in Einklang bringen? 14 Thesen zur Digitalisierung – von Felix Sühlmann-Faul weiterlesen

Jede Generation muss sich ihrer Verantwortung stellen – Interview mit Margot Käßmann

„Jede Generation muss sich ihrer Verantwortung stellen.“

Interview mit Margot Käßmann

Frau Käßmann, die auf uns zurollende Katastrophe, klimatisch als auch gesellschaftlich, wird mittlerweile nicht mehr ernsthaft in Abrede gestellt – trotzdem reißen wir das Ruder nicht herum. Ist die Welt nicht mehr zu retten?

Margot Käßmann war lange Zeit als evangelisch-lutherische Theologin und Pfarrerin in verschiedenen kirchlichen Leitungsfunktionen tätig. Am 27. April 2012 wurde sie „Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017“ im Auftrag des Rates der EKD.

Ich hoffe schlicht auf die Vernunft der Menschen! Seit Mitte der 70er Jahre wissen wir um die „Grenzen des Wachstums“ und viele haben ja auch ihr individuelles Verhalten verändert. Aber die Politik muss handeln und ich finde, Fragen von Klimaschutz, Abgasemissionen, Plastikverbrauch sollten in den Mittelpunkt auch von Wahlkämpfen rücken.

Stattdessen erleben wir gerade wieder die Macht der Autolobby und mit Donald Trump einen Präsidenten, der schon Errungenes zurückdreht. Aber wir können wegen solcher Rückschläge nicht einfach die Hoffnung und das Engagement aufgeben. Das wäre verantwortungslos. Jede Generation muss sich ihrer Verantwortung stellen – Interview mit Margot Käßmann weiterlesen