Blut in den Straßen oder: Wie beeinflusst der Terror den Aktienmarkt

Blut in den Straßen
Oder: Wie beeinflusst der Terror den Aktienmarkt

 

Im „New Yorker“ erschien vor einigen Jahren ein Cartoon, der eine Dinnerparty zeigt. Am Kamin stehen zwei Herren im Gespräch. Der eine trägt einen Bombengürtel, der andere (im Smoking und mit Sektglas in der Hand) sagt zu ihm: „Ach, Sie sind Selbstmordattentäter? Wie interessant! Aber sagen Sie – kann man denn davon leben?“

Hier beruht der Witz darauf, dass zwei fundamental verschiedene Welten aufeinandertreffen – Geschäft und Gewalt.

Wie verändert die Gewalt das Geschäft? Und – lassen sich die beiden überhaupt so deutlich voneinander trennen?

Auch Anleger und Investoren leben in der Gegenwart des Terrors. Der Schrecken sitzt immer mit am Tisch; er ist überall anwesend, wie ein Schatten, der auf allem liegt. Und es sieht danach aus, als hätten wir bisher nur die ersten Anfänge der zukünftigen Kriege gesehen.

Daher wird es notwendig, sich einmal grundsätzlich zu fragen, wie der Terror auf die Märkte, auf die Investmenthorizonte und die Anlagestrategien wirkt. Vor allem sollten wir die Auswirkungen von vorausschauenden Investments auf die Terrorismusbedrohung im Auge behalten. Blut in den Straßen oder: Wie beeinflusst der Terror den Aktienmarkt weiterlesen

Meine Grafik lügt mich an oder: Die Gefahren der Visualisierung

Meine Grafik lügt mich an oder:
Die Gefahren der Visualisierung

Grafiken sind etwas Schönes. Ja mehr noch. Wer kennt nicht das Gefühl der Erleichterung, wenn man zwischen Zahlenkolonnen und Bleiwüsten plötzlich ein Bild entdeckt, das einen verstehen hilft, worum es bei den ganzen Zahlen geht. Als Menschen sind wir eben auch visuelle Wesen und wenn ein komplexer Sachverhalt sich in ein Bild verwandelt, dann spricht uns das an. Und nicht zuletzt fordern die Grafiken unsere Imagination, unsere Fantasie und Kreativität heraus. Ein Bild treibt das nächste hervor – unsere Lust, die Probleme von allen Seiten anzusehen, wächst…
Gerade im Finanzbereich benötigen wir grafische Darstellungen. Die mathematischen Modelle und Formeln werden besonders von Normalsterblichen dringend gebraucht, die sich nicht vor dem Frühstück mit Quantengleichungen und während des Fernsehens mit mehrdimensionalen Funktionen beschäftigen.
Die Vorteile liegen auf der Hand. Schauen wir also ein bisschen die Nachteile an. Meine Grafik lügt mich an oder: Die Gefahren der Visualisierung weiterlesen

Die Nase von John Pierpont Morgan oder: Wie erfühlen wir Finanzmärkte?

Die Nase von John Pierpont Morgan
oder: Wie erfühlen wir Finanzmärkte?

J.P. Morgan (1837-1913) war einer der bedeutendsten Bankiers des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Nicht nur als Gründer des gleichnamigen Bankhauses, das bis heute zu den wichtigsten Finanzinstitutionen der Welt gehört, sondern auch als Mitgestalter und Ideengeber für die industrielle Gründerzeit der USA.

Seine Reorganisation der Eisenbahnbranche, die Schaffung des Trusts US Steel (zu der Zeit die größte Aktiengesellschaft weltweit) sowie die Anschubfinanzierungen für die entstehende Autoindustrie zeigen, dass er die Grundlagen für das schuf, was später die industrielle Basis Amerikas wurde.

Morgan war ein hässlicher Mann. Er war zwar von eindrucksvoller Statur, hatte dunkle Augen, deren Blitzen berühmt war und strahlte eine aggressive Intelligenz aus, der sich viele Zeitgenossen nicht gewachsen sahen. Aber er hatte auch ein Problem: seine Nase. Die Nase von John Pierpont Morgan oder: Wie erfühlen wir Finanzmärkte? weiterlesen

Macht die Börse böse? oder Ein gutes Buch zum Finanzmarkt in Fragen und Antworten (2. Teil)

Macht die Börse böse? oder
Ein gutes Buch zum Finanzmarkt in Fragen und Antworten (2. Teil)

Schon der erste Teil meines Gesprächs mit dem philosophischen Autor und Börsenexperten Sven Grzebeta hat mir viele Reaktionen eingetragen: Ist das nicht ein zu naiver Blick auf die Börse? Geht das Gespräch nicht von Voraussetzungen aus, die gar nicht mehr existieren – zum Beispiel der, dass hier vor allem Privatanleger ihren Sparpfennig an Firmen ausleihen? Müssten nicht die automatisierten Handelssysteme und institutionellen Anleger stärker berücksichtigt werden?
Gemach, gemach… Das ist alles richtig, aber dennoch sollten wir bestimmte Grundregeln der Börse zunächst einmal verstehen und phänomenologisch gut beschreiben, bevor wir zur Kritik ansetzen. Gerade die scheinbar schlichte Sicht auf die Börse zeigt die Fragwürdigkeiten auf, die wir heute schon als Normalfall akzeptieren. Wie können wir diese beschreiben? Darum soll es nun auch gehen: Wie nähern wir uns der Börse, was ist an ihr verständlich und kommunizierbar? Macht die Börse böse? oder Ein gutes Buch zum Finanzmarkt in Fragen und Antworten (2. Teil) weiterlesen

Die Schönheit der Allokation oder ein gutes Buch zur Börse in Fragen und Antworten (1. Teil)

Die Schönheit der Allokation oder
Ein gutes Buch zur Börse in Fragen und Antworten (1. Teil)

Dieser Blog soll kein Literaturbericht werden, aber wenn mir ein lesenswertes Buch oder ein kluger Aufsatz unterkommt, dann teile ich das natürlich mit. Insbesondere wenn das Werk über elegante Finanzen berichtet. Dies tut, in vielfältiger und kompetenter Form „Ethik und Ästhetik der Börse“ von Dr. Sven Grzebeta (erschienen 2014 bei Wilhelm Fink in München). Der Autor verfügt über theoretisches und praktisches Wissen zu Börsenfragen und er bietet mit seinem Buch mindestens dreierlei:

  • – eine Übersicht zu den philosophischen und ethischen Annäherungen an das Phänomen Börse,
  • – eine nachvollziehbare Beschreibung der Börse als Ergebnis von „Gemeinschaftshandeln“,
  • – eine Verbindung von ästhetischen und ethischen Argumenten zur Börsenproblematik.

Wie immer beim ersten Lesen eines komplexen Buches bleibt das Gefühl zurück, nur ca. 30 % des Geschriebenen auch wirklich ganz verstanden zu haben. Um diesen Prozentsatz auf wenigstens 50% zu erhöhen, habe ich Dr. Grzebeta einige Fragen gestellt: Die Schönheit der Allokation oder ein gutes Buch zur Börse in Fragen und Antworten (1. Teil) weiterlesen

Schwänze, die mit Hunden wackeln oder Warum die Finanzwirtschaft wichtiger ist als alles andere

Schwänze, die mit Hunden wackeln
oder Warum die Finanzwirtschaft wichtiger ist als alles andere

Haben wir eigentlich wirklich schon begriffen, wie sich Finanzwirtschaft und alle anderen Wirtschaftszweige zueinander verhalten? Ist es eigentlich gut, Blogs mit rhetorischen Fragen zu beginnen?
Es ist gut, wenn wir schon bekannte Tatsachen einmal für Nutzanwendungen und Lernprozesse zubereiten und greifbar machen. Die Finanzindustrie hat die Realwirtschaft in vielerlei Hinsicht überholt: in den USA beispielsweise fiel der Anteil der Industrie an der Gesamtwertschöpfung in den 1970er Jahren von 24% auf 15%, in den 1990ern setzte sich die Finanz-, Versicherungs- und Immobilienbranche vor sie.
Nach Angaben der Deutschen Bundesbank haben sich die weltweit erfassten Kapitalströme zwischen 1975 und 2000 verdreißigfacht, während sich das Welthandelsvolumen ungefähr vervierfacht und das addierte Bruttoinlandsprodukt (BIP) verdoppelt haben.
Hund Realwirtschaft und Schwanz Finanzwirtschaft befinden sich seit langem im Wettlauf – und der Hund hat schon länger Seitenstechen. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Finanzindustrie fast durchweg mehr gewachsen als andere Industrien. „Seit 1850 war das Wachstum im Finanzsektor insgesamt mehr als doppelt so groß wie in der Gesamtwirtschaft“, so Andrew Haldane, Chief Economist Executive Director of Monetary Analysis and Statistics bei der Bank of England. Die Herrschaften in den Kontoren mit Ärmelschoner und weißem Stehkragen waren die dynamischen Sieger im Wirtschaftsrennen. Schwänze, die mit Hunden wackeln oder Warum die Finanzwirtschaft wichtiger ist als alles andere weiterlesen

Banker, zieht Euch besser an! oder Formen sind kein leerer Wahn

Banker, zieht Euch besser an!
oder Formen sind kein leerer Wahn

Das Ansehen der bei Finanzinstitutionen beschäftigen Menschen ist im Ranking der Professionen irgendwo zwischen Preisboxern, Sonnenstudio-Besitzern, und kommunalen Strafzettelverteilern anzusetzen. Etwas Dubioses umweht sie und gelegentlich wird ihnen sogar mit Verachtung begegnet wenn man sie nicht gerade wieder ganz dringend braucht.
Das war einmal anders. Bankier – das bedeutete einmal etwas; und auch in den niedrigen Rängen hat man mit einer Beschäftigung bei der Bank Verlässlichkeit, Seriosität, Sachverstand und korrekte Kleidung assoziiert. „Bankbeamter“ – so nannten unsere Eltern zum Teil noch die Beschäftigten in der Bank, auch wenn sie gar keine Beamten waren. Aber sie standen für ein solides und verlässliches System, dem man – wie dem Staatsapparat – keinen Kollaps zutraute. Banker, zieht Euch besser an! oder Formen sind kein leerer Wahn weiterlesen

Reich und schön – sonst noch was? oder: Was ist an Finanzen elegant?

Reich und schön – sonst noch was?
oder: Was ist an Finanzen elegant?

„Finanz“ und „Eleganz“, das klingt schon einmal schön zusammen. Was können wir daraus machen?
In dieser kleinen Kolumne „Finanz und Eleganz“, einem Blog im agora42-Universum, soll den Zusammenhängen von eleganten Lösungen, Inszenierungen, Symbolen, Behauptungen einerseits und dem Finanzmarkt andererseits nachgegangen werden. Reich und schön – sonst noch was? oder: Was ist an Finanzen elegant? weiterlesen